Golf und Jeans

Ein ziemlich leidiges Thema, wenn man mal ehrlich ist. So mancher Golfclub hat eine solche Kleiderordnung. Aber warum?

Ganz früher mal waren Jeans die Arbeiterhosen. Und Golf war elitär und nur was für die “oberen Zehntausend”.

Zumindest hört man das des öfteren als Begründung. Unter anderem.

Stimmt ja auch. Früher war Golf elitär und Jeans waren Arbeiterhosen. Wers nicht weiß, deswegen haben die auch die Nieten. Hält länger.

Also ein Standesding. Das Zeichen der “Arbeiterklasse” passte nicht so recht zum elitären Golf.

Aber das ist ja nun beides nicht mehr so ganz zutreffend. Je nachdem, wo man spielt, ist Golf keineswegs mehr der sauteure Zeitvertreib der Reichen. Oh, klar. Gibt immer noch Clubs, die das erstgeborene Kind als Einstand verlangen und dann auch noch salzig abkassieren als Jahresbeitrag.

Nicht falsch verstehen. Golfplätze sind teuer. Sowohl was den Bau als auch was den Unterhalt betrifft. Irgendwo muß das Geld herkommen. Und woher sonst, wenn nicht von den Mitgliedern? Wenn man mal von Königen und Monarchen vor allem in Wüstenregionen absieht, die sich ihren eigenen Golfplatz hinstellen. Und anderen extrem Reichen.

Das Problem, dem sich viele Golfclubs gegenübersehen – meiner Beobachtung nach – ist, daß das Publikum, daß mal eben vier- bis fünfstellige Summen alleine als Einstand auf den Tisch blättern kann und will eher dünn gesät. Oh, geben tut es die durchaus noch. Und sind gar nicht so schlecht für die Golfclubs. Denn mit demnächst Neunzig (ich übertreibe mal) spielt man nicht mehr so viel Golf. Und wenn doch, mietet man sich ein Golfcart.

Aber ich fürchte, diese Generation stirbt aus. Selbst die Jungen, die sich das leisten könnten, überlegen sich das mindestens dreimal. Würde ich meinen. Ich habs mir nicht dreimal überlegt. Sondern nur einmal. Und dann gelassen. Damals.

Allerdings gibt es auch andere Golfclubs. Speziell in Regionen, die mit den “Reichen und Schönen” ohnehin nicht so gesegnet sind. Und da habe ich dann auch nur einmal überlegt. Und es dann getan. Immer noch kein Schnäppchen. Aber kein Kleinwagen.

Golf ist längst nicht mehr so elitär. Oh, der Ruf ist immer noch schlecht. Ich kann das so allerdings nicht bestätigen.

Klar, ich finde es immer noch witzig, wenn Jünglinge (die natürlich um ein Vielfaches besser spielen als ich!) in [SIC] lächerlichen Klamotten auf dem Platze wandeln.

Das ist ja der andere Grund, warum Golfer früher lustige Klamotten anhatten. Also so ganz am Anfang. Denn da wurde ja nun nicht auf einem Platz gespielt, sondern irgendwo in der Pampa. Ich stelle mir das so ähnlich vor wie das heutige Crossgolf.

Und damit andere Spaziergänger wussten, daß da irgendwelche Spinner mehr oder weniger harte Kugeln mit Stöcken durch die Gegend ballern und man besser Vorsicht walten lassen sollte, gabs diese absolut schrägen Klamotten.

(Nette Anekdote, für die ich allerdings meine Hand nicht ins Feuer legen würde…)

Aber das stimmt ja heute auch nicht mehr. Golfplätze sind meistens mindestens mit Schildern versehen und auch Netzen, um die gar nicht so seltenen Querschläger von zufälligen Spaziergängern oder auch Häusern fernzuhalten.

Und auf der anderen Seite sind Jeans auch schon längst nicht mehr das Zeichen der “Arbeiterklasse”. Die gibts ja in der Form ohnehin nicht mehr so wirklich, zumindest in Deutschland.

Was ein anderes Argument ist: Eine schöne Golfhose kostet auch nicht mehr wie eine Jeans. Stimmt. Aber je nach Golfhose ist es eben eine Golfhose. Taugt für nichts anderes. Kann man nicht mal eben so für was anderes anziehen.

Nicht alle. Ich habe zum Beispiel eine Golfhose. Ist im Grunde eine recht locker geschnittene schwarze Hose. Nicht unbedingt Jeansschnitt, aber auch nicht weit weg davon.

Abgesehen davon kann man sich ja mal bei der Jugend von heute nach den angesagten Jeans umhören. Alter Falter! Golfhosen sind billiger! Also wenigstens wenn meine Frau sie kauft. Aber bitte nicht mich fragen, wie sie das immer macht…

Und mit solchen “Nobeljeans” geht keiner mehr arbeiten. Seien wir mal ehrlich: Das Beinkleid der “Unterschicht” ist die abgefuckte [SIC] Trainingshose. Aber sicher nicht mehr die Jeans.

Langer Rede, kurzer Sinn zunächst: Die Standeskiste ist vom Tisch. Von beiden Seiten. Golf ist nicht mehr elitär und Jeans sind nicht mehr die “Arbeiterhosen”.

Nächstes Argument: Beim Tennis zieht man auch keine Jeans an.

Stimmt. Wenn ich allerdings Tennis spielen würde, wäre ich froh, wenn mein Gegner eine Jeans tragen würde. Damit spielt es sich nämlich besch….en.

Man kann auch mit Jeans und Socken auf den Squashcourt. Hab ich mal erlebt. Allerdings war der so gut, daß er mir selbst damit die Bälle um die Ohren gedroschen hat…

“Wenn ich zum Galadiner gehe, ziehe ich auch keine Jeans an.”

Öhm, warum nicht? Die gibts in nobel. Ernsthaft. Die kosten mehr als mein Monatshonorar.

 

Und dasselbe denke ich über den Golfsport. Klar kannst du mit Jeans spielen. Machst du aber nur einmal. Dann stellst du fest, daß locker geschnittene Hosen dramatisch besser sind.

Das gleiche gilt übrigens für kurze Hosen. Gerade als Anfänger macht man das nur einmal. Denn wenn man ständig im tiefen Rough umeinander wurschtelt und seine Bälle sucht, mit Disteln und Dornen und wasweißich für seltsamen Gewächsen, dann will man das nächste Mal lieber lange Hosen.

 

Ich plädiere also dafür, von diesem mittlerweile überholten “Jeans-Verbot” Abstand zu nehmen. Wer wirklich Golf halbwegs ernsthaft betreiben will, der zieht sowieso keine Jeans an. Viel zu eng.

Das Ganze hätte mehrere Vorteile.

  • Der elitäre Charakter und der schlechte Ruf des Golfes würde abnehmen. Meiner Meinung nach würde sich die Kleidervielfalt auf dem Platz sowieso nicht groß verändern. Jeans sind einfach nicht praktisch.
  • Junge Leute würden wegen eben diesem abnehmenden elitären Charakter des Sports eher mal geneigt, es zu versuchen. Und wir wissen alle: Der erste halbwegs getroffene Ball und du bist angefixt.
  • Im Resultat mehr Golfer. Mehr Golfer -> Geringere Mitgliedsbeiträge -> Noch mehr Golfer.

So ein bisschen “elitär” wird Golf immer sein. Selbst die eher “günstigen” Plätze sind für die “Trainingshosenträger in Adiletten” zu teuer.

Ich für meinen Teil war nie mit Jeans auf dem Golfplatz. Ich gehe allerdings auch nicht mit Jeans arbeiten, wenn ich mal was in diesem Sinne “arbeiten” muß. Aus demselben Grund: Jeans sind zu unpraktisch, zu eng, zu wenig Bewegungsfreiheit.

Eine gewisse Kleiderordnung finde ich schon in Ordnung, keine Frage. Labbeljeans und Trainingshosen müssen ja nun nicht unbedingt sein.

Aber ob Jeans da hineingehören möchte ich dann doch bezweifeln und verneinen.

Es ist gewissermaßen ein “edler” Sport. Aber es muß kein “elitärer” sein. Vor allem und nicht zuletzt deshalb, weil Jeans schon lange nicht mehr “anti-elitär” sind.

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