Der schlechte Ruf des Golfens

Zumindest in Deutschland hat Golf einen nicht eben guten Ruf.

Und zwar anders, als jetzt Fußball einen schlechten Ruf hat.

Golf steht in den Ruf, ja eh nicht so die wirkliche “Sportart” zu sein, man braucht viel viel Geld, gehört zur “gehobenen” Schicht oder will so erscheinen.

Es gilt als die Sportart der höheren Semester, die keinen Sex mehr haben und nicht wissen, wohin mit der Kohle.

Ein wenig Schickimicki eben.

Klingt ja auch erstmal etwas komisch. Samuel Clemens (besser bekannt als Mark Twain) soll Golf mal als einen “guten Spaziergang, der unterbrochen wird” beschrieben haben.

Und Winston Churchill soll gesagt haben, Golf wäre es, einen viel zu kleinen Ball in viel zu kleine Löcher zu befördern mit dazu denkbar ungeeigneten Werkzeugen.

Gut, so ähnlich kann man jetzt auch Fußball beschreiben. Oder Tennis.

Was die Schickimickis betrifft, da ist tatsächlich was dran.

Ich war letzte Woche öfter auf dem Platz (irgendwann will ich den Ball ja auch mal halbwegs brauchbar und halbwegs zuverlässig schlagen) und was man da so an Leuten sah, passt schon dazu.

Ich meine, welcher Teenager würde sich ansonsten mit weissen Klamotten, seltsamen Hosen und einer “Titleist”-Kappe sehen lassen?

Ich weiß noch, wie es zu meiner Schulzeit dem Typen erging, der tatsächlich Turniertänzer war. So richtig. Und dazu gehört – wusste ich vorher auch nicht – sowohl Haare färben als auch Schminke. Was man halt manchmal Montags noch sah. Mittlerweile sind wir alle ein paar Tage älter und verständiger, aber Teenager sind grausam.

Die Klamotten, die viele beim Golf so anhaben, sind zugegeben oft eher lächerlich.

Dagegen gibt es aber Mittel und Wege.

Viele Golfclubs haben anscheinend eine Kleiderordnung, die so manches vorschreibt. Kragen, also Hemd oder Poloshirt, keine kurzen Hosen, Hemd muß in Hose usw.

Da will man nicht wirklich dazu gehören.

Ich trage schon auch immer Schirmmütze. Allerdings mit Fleiß welche, auf denen Bierwerbung zu finden ist.

Da ich sowieso kein Freund kurzer Hosen bin, stört mich das weniger. Allerdings soll es Golfclubs geben, in denen Cargohosen nicht so gerne gesehen werden. Mir Wurscht, weil in meinem Club das nicht gefordert wird.

Es gibt natürlich gewisse Gegebenheiten, die die Kleidung beim Golfen erfüllen muss.

Ich bin mir recht sicher, daß man auf meinem Golfplatz durchaus auch mit Jeans spielen kann, ohne das der Marshall motzt.

Nur wer sollte das wollen?

Golfkleidung muss luftig sein. Locker sitzen. Also eher zu weit oder eher dehnbar. Damit man nicht behindert wird.

Was die – ansonsten zeitlose und für alles geeignete – Jeans einfach nicht erfüllt.

Für mich bedeutet das, ich setze meine Bierkappe auf, eine ziemlich grelle Sonnenbrille – von der ich zumindest den Eindruck habe, ich würde damit die Pille besser sehen – ein Polohemd mit Kragen, allerdings NICHT in der Hose steckend und eine weite Cargohose. Irgendwo muß ja das ganze Geraffel rein. Pitchgabel (bisher so gut wie unbenutzt weil ich bis jetzt noch fast keine Pitchkrater mache), reichlich Bälle (wie gesagt, mein Verbrauch ist groß) usw.

 

Natürlich kostet Golf auch Geld. Im Vergleich zu anderen Sportarten eher mehr.

Ist ja auch irgendwo verständlich. Es gibt meines Wissens keine andere Sportart, die so viel Platz verbraucht, wenn man mal von der Formel Eins absieht.

So ein Golfplatz kostet. Viel Platz, frickeliger Rasen, Greenkeeper usw.

Vor Jahren, als man mich schon einmal zum Golf bringen wollte, habe ich mal geguckt. Und in der Gegend, in der ich wohnte, waren die Preise gelinde gesagt exorbitant.

Das ging los, daß man sich erstmal einkaufen musste. Was schon mal eine mittlere vierstellige Summe war. Und dann auch noch jährlich eine untere vierstellige Summe abdrücken durfte.

Ich habe damals natürlich nicht mit Golf angefangen. So viel Spaß – dachte ich – kann mir das gar nicht machen, daß ich drei Monatsgehälter erstmal so rausblase.

Ich sags mal so: Ein Argument war, daß auch Skifahren (ein Sport dem ich auch fröne) eine Menge Geld kostet. Stimmt. Aber nicht so viel.

Mittlerweile scheint es so zu sein, daß vielen Golfclubs aufgegangen ist, daß sie keinen Nachwuchs mehr haben. “Nachwuchs” ist dabei durchaus euphemistisch zu verstehen. Denn der “Nachwuchs”, der mal eben knapp an die 10.000 Euronen für ein Hobby ausgeben kann, ist mindestens im mittleren Alter und gut situiert.

Die gab es vor 30 Jahren durchaus. Nur sind die von damals mittlerweile 90, wenn sie denn überhaupt noch leben.

Und Neue kommen nicht nach. Soviel zahlt heute kaum noch jemand. Wenigstens nicht in Deutschland.

Und die drei Hanseln, die das noch bezahlen halten einen Golfclub nicht über Wasser.

Was – zumindest meinem Eindruck nach – dazu geführt hat, daß Golfclubs zwar immer noch nicht eben billige, aber doch bezahlbare Mitgliedschaften anbieten.

Die sich auch rechnen.

Bei meinem Golfclub (Fleesensee) zahlt man seinen Jahresbeitrag (der nicht vierstellig ist) und bekommt dafür Spielrecht auf allen fünf Kursen. Auf einem mit dem Anfängerhandicap von 54 allerdings erst ab 14:00. Je nachdem, wieviel man spielen will, rechnet sich das durchaus.

Überhaupt finde ich es da recht entspannt. Von den fünf Kursen sind zwei (die beiden Neuner) öffentlich, die Range ist ohnehin für jeden frei (Bälle muß man halt kaufen, aber 2€ für 23 Bälle passt schon), die Angestellten sind durch die Bank freundlich und hilfsbereit, das Clubhaus hat eine kleine und übersichtliche Karte mit regelmäßigen Tagesangeboten, der Proshop empfiehlt durchaus auch mal etwas nicht zu kaufen.

Der ganze Platz ist im Grunde meinem Eindruck nach auch eher auf Urlauber angelegt. Rundherum reichlich Hotels und Ferienwohnung, von denen manche sogar direkt am Platz liegen. hat man sich in einem davon einquartiert, kann man durchaus auf dem Weg vom Clubhaus zum Domizil noch mal die ersten drei Löcher vom “TetraPak”-Kurs spielen und direkt vor der zeitweiligen Heimat aufhören.

Und solange Hanseln wie ich spielen, kann man in seinem eigenen Vorgarten seinen Bällevorrat aufstocken.

Zurück zum Thema: Ja, Golf hat einen schlechten Ruf.

Daß, was zu Recht war, scheint sich gerade zu ändern. Allen voran die Preise.

Daß, was zu Recht ist, ist Wurscht. Sucht man sich halt einen Club, bei dem es niemand juckt, ob das Poloshirt nun in der Hose steckt.

Und zumindest in Fleesensee sieht man nicht nur Nobelkarossen vor der Tür stehen. Eher weniger, würde ich sogar sagen. Ja, da stehen auch ein paar “Edle”. Aber die meisten sind “Normale”. Pampersbomber. Kombis. Sowas. Eher keine klapperigen Kleinwagen, was aber vielleicht auch der Tatsache geschuldet ist, daß die Ausrüstung irgendwo hin muß.

Ich selbst fahre eine “Penisverlängerung”. Was lustig ist, weil angeblich eher Frauen dieses Auto fahren. Ein mittlerweile 15 Jahre alter BMW Z3.

Ich sage das nur deshalb, weil ich einen Golfcart gefunden habe, der da tatsächlich in den Kofferraum passt. Einen dreirädrigen.

Langer Rede kurzer Sinn: Ja, Golf hat einen schlechten Ruf. Aber das ändert sich. Und zwar, je mehr Leute spielen.

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